Vögel füttern im Winter
Tief verschneite Landschaften, klirrende Kälte und das aufgeplusterte Rotkehlchen, das unter der geschlossenen Schneedecke kein Futter finden – ist das noch so? Was sind heute die Herausforderungen für Wildvögel im Winter? Und wie wichtig ist die Vogelfütterung?
Drei Herausforderungen der Winterzeit
1. Kurze Wintertage: wenig Zeit
An den kurzen Wintertagen haben Singvögel viel weniger Zeit für die Nahrungssuche. Unsere heimischen Gartenvögel können nur in sehr begrenztem Maße körpereigene Reserven anlegen – übergewichtige Vögel gibt es nicht. Sie sind Tag für Tag darauf angewiesen, in den Stunden mit genügend Tageslicht ihren Energiebedarf zu decken. Es hilft ihnen deshalb enorm, wenn Menschen im Winter Vögel füttern und ihnen eine verlässlich verfügbare Energiequelle bereitstellen.
2. Wichtigste Aufgabe: warm bleiben
Pluster dich bloß nicht so auf? Doch, unbedingt! Singvögel brauchen jetzt ihre ganze Energie, um ihre Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Amsel, Meisen, Rotkehlchen und Co. fahren im Winter viele Aktivitäten zurück. Ihr werdet kaum noch Vögel durch Euren Garten flattern sehen, der anstrengende Flugverkehr wird auf das Nötigste reduziert. Stattdessen könnt Ihr Wildvögel in Ruhe dabei beobachten, wie sie sich zurückziehen und sich schön rund machen: Wenn Vögel sich aufplustern, stellen sich die Federn auf, sodass viel Luft dazwischen eingeschlossen wird.
Vögel mit einer Körperkerntemperatur von über 40 Grad sind zwar gut isoliert; um ihren Wärmehaushalt aufrechtzuhalten, braucht ihr Stoffwechsel dennoch viele Kalorien.
Nach einer langen, kalten Nacht ist es deshalb überlebenswichtig, die Energiedepots des Körpers sehr schnell wieder aufzufüllen. Ein Singvogel, der nach einer kalten Winternacht nicht schnell genug energiereiches Futter findet, erfriert. Hier können wir Menschen mit der Vogelfütterung im Winter entscheidend helfen.
3. Je länger der Winter, desto knapper die Nahrung
Die meisten Singvögel werden im Winter Vegetarier. Die Samen der Bäume sind eine echte Delikatesse! In Mastjahren, wenn Buchen oder Erlen besonders reich tragen , ist das Vogelhäuschen fast verwaist und wird erst im späteren Winter besucht, wenn die Vorräte zur Neige gehen.
Erlenzapfen und Bucheckern, Hagebutte und Holunder: Wenn die Herbsternte nicht reicht, wächst erstmal nichts Neues nach. Die Vegetation macht im Winter Pause. Entscheidend ist also, wie viel Samen und Beeren im Sommer und Herbst reifen konnten.
Und wie immer ist das auch die Frage, wie viel Platz wir Menschen der Natur einräumen. Warum sind Samen von Sommerblumen, Gräsern und Wildkräutern Mangelware? Wieso sind die Beeren heimischer Gehölze oft schon im Oktober alle weggepickt?
Es fehlt an Hecken, Wildwiesen und Brachflächen, wo all das wachsen könnte. Gärten und Parks könnten umso wichtigere Nahrungsräume sein, werden aber allzu oft im Herbst ordentlich aufgeräumt.
Unsere Bitte: Integriert die Zufütterung mit energiereichem Vogelfutter in einen naturnahen Garten, der Vögel zur Ernte einlädt. Und schneidet im Herbst verblühte Blumen, Stauden und Kräuter nicht zurück, lasst die Samenstände stehen!
Wer Stauden und Gehölze erst im Mai zurückschneidet, bietet vielen Insekten in den hohlen Stängeln einen Überwinterungsplatz – und auch damit Vögeln Nahrung.
Und wenn es schneit?
Wir schreiben hier aus norddeutscher Perspektive. Darüber vergessen wir manchmal, dass Winter nicht nur grau und nasskalt ist, sondern immer noch bedeuten kann, dass Bucheckern, Zapfen und Wildkräuter unter einer dicken Schneedecke verschwinden. Wildvögel können die knappen natürlichen Futterquellen dann nur noch schwer aufspüren.
Umso wichtiger ist es, den Wildvögeln hochkalorische Energiequellen bereitzustellen. Ein gutes Fettfutter spielt jetzt seine Stärken voll aus. Energiegeladen und ohne billige, kalorienarme Beimischungen zahlt unser Fettfuttermix direkt in den Energiehaushalt der Wildvögel ein.
Ein Klassiker unter den Energielieferanten für die Wintervogelfütterung sind Sonnenblumenkerne. Was für eine herrliche Art, die Kraft der Sommersonne in den Winter hinüber zu retten!
Besonders wichtig: Es nützt Wildvögeln nichts, wenn Menschen hektisch das Futterhaus rausstellen, wenn der erste Schnee fällt. Egal ob Standvögel wie Meisen, Spatzen oder Amseln oder Wintergäste aus dem Norden – Wildvögel müssen frühzeitig wissen, wo es verlässlich gefüllte Futterstellen für sie gibt. Wenn Ihr nicht das ganze Jahr füttert, denkt also bitte rechtzeitig daran, die Futterstelle für den Winter herzurichten.
