Blaumeise am Nistkasten

Frühlingsgefühle! Vogelschutz vor Beginn der Brutzeit

Frühlingsluft! Der Schnee ist geschmolzen, Krokusse blühen, Feldlerche, Kiebitz und Singdrossel trällern um die Wette und die Meisen gehen bereits auf Nistplatzsuche. Wie kannst du Singvögeln jetzt helfen, damit sie gut in die Brutsaison starten? Was ist wichtig bei der Gartenarbeit? Und ist Vogelfutter jetzt nicht mehr so wichtig? Hier kommen unsere Antworten.


Wie lange soll man Vögel füttern?

Es gibt viele Gründe, weshalb die ganzjährige Vogelfütterung so wichtig geworden ist (schon Vorfreude auf den Sommer? Dann lies gern schon mal rein in die Vogelfütterung während der Brutzeit). Wer aber nur im Winter Vögel füttern möchte, fragt sich, wann ein guter Zeitpunkt ist, die Futterstelle in den Sommerschlaf zu schicken. Sobald die ersten Blätter sprießen? Bitte nicht! Im zeitigen Frühjahr (wie übrigens auch im Juni) ist besonders viel los am Futterhaus. Oft picken Singvögel im Februar und März mehr weg als über den Winter. Warum ist das so?

Saure-Gurken-Zeit für Singvögel

Während Zitronenfalter an den ersten wärmeren Tagen losfliegen, halten viele Käfer, Schmetterlinge und Wildbienen noch Winterruhe – oft tief in Hohlräumen versteckt, wo sie als Nahrungsquelle nicht zur Verfügung stehen. Alles neu macht dann der Lenz, sobald die Temperaturen steigen? Leider nein. Der extreme Schwund an Insekten wird auch in diesem Jahr unseren Vögeln große Probleme bereiten.

Und wie sieht es mit Samen und Früchten aus? Zu Ende des Winters sind die Vorräte aus dem letzten Jahr aufgebraucht. Sträucher und Hecken sind kahl, neue Nahrung ist noch nicht nachgewachsen. Wilde Kräuter wie Vogelmiere, Löwenzahn, Gänseblümchen oder die Brennessel sprießen zwar jetzt, aber bis zur Ernte der nahrhaften Samen müssen sich die Vögel noch eine Weile gedulden. Die Samen des Löwenzahns etwa sind erst nach der Hauptblütezeit im April und Mai reif. Der Diestelfink im Bild freute sich letztes Jahr, als es endlich so weit war.

Da ist kein Kraut gewachsen

Leider ist nicht nur die Durststrecke bis hin zur Samenreife ein Problem. Der Knackpunkt ist: Wie viel Raum haben die  Kräuter, auf die unsere Wildvögel so dringend angewiesen sind? Wo sollen die Samen denn reifen, wenn Wildkräuter auf Äckern totgespritzt werden, auf Wiesen viel zu früh gemäht  und in Gärten alles bekämpft wird, was den englischen Rasen stört? Wenn Brachflächen zubetoniert und wilde Ecken aufgeräumt werden?

Weiter hoher Energiebedarf

Die Nahrungsquellen sind knapp. Nach dem Winter, als sich alles um die Aufrechterhaltung der Kerntemperatur und damit ums Überleben drehte, kommen im zeitigen Frühjahr ganz neue Aufgaben auf unsere Wildvögel zu: Die Tage werden wieder länger und die Vögel beginnen zu singen. Die Männchen markieren ihr Revier und buhlen im Sangeswettstreit (bei den Spechten im Klopfwettbewerb) um das Weibchen. Auch die Balzzeit braucht viel Kraft!

Die Vogelfütterung hat also auch im Frühling Hochsaison. Natürlich ist es eine Erleichterung, wenn die Fettreserven von Rotkehlchen, Amsel und Co. länger halten, weil die Nächte nicht mehr so lang und kalt sind. Die Futtersuche verläuft nicht mehr so angespannt. Deshalb unser Tipp: Wenn Dich die Schalen an der Futterstelle nicht stören, kannst du jetzt ganze Sonnenblumenkerne ausstreuen.

Sind die Jungvögel geschlüpft, haben die Altvögel nur noch wenig Zeit zur Futteraufnahme – die mühsame Insektensuche für den Nachwuchs beschäftigt sie den ganzen Tag. Jetzt erleichtern geschälte Kerne vieles und Sonnenblumenkerne in Schale bleiben oft liegen.

Kurzum: Wenn Ihr keine Ganzjahresfütterer werden wollt, empfiehlt es sich trotzdem, bis in die Brutzeit hinein zu füttern. 

So dringend wie verlässlich versorgte Futterstellen braucht unsere Vogelwelt im Frühjahr naturnahe Gärten. Nicht nur als Nahrungsquelle – jetzt suchen Singvögel sichere Nistplätze und Baumaterial.

Unsere Tipps für das Gärtnern zur Frühlingszeit

1.    Stauden nicht zu früh zurückschneiden!

Sobald die Frühlingssonne wärmt und lacht, lockt es uns ins Grüne. Wer einen Garten hat, wird von Spaten und Astschere magisch angezogen. Großartig, wenn du verblühte Gräser und Stauden als Winterquartier für Insekten hast stehen lassen. Jetzt an den ersten milden Tagen kribbelt es einem in den Fingern, den Garten endlich vom Gestrüpp zu befreien. Aber wartet bitte noch mit dem Rückschnitt! Insekten überwintern als Ei, Puppe oder Larve und brauchen unterschiedlich lange, bis sie geschlüpft oder ausgeflogen sind. Am besten lässt man ihnen bis Mai Zeit.

Wenn du so lange nicht warten magst: Gräser kannst du früher zurückschneiden als Stauden. Beim Staudenrückschnitt ist ein Kompromiss, das Schnittgut aufrecht zu lagern. Du kannst es zum Beispiel an einem Zaun festbinden. Wenn du damit nah am bisherigen Standort bleibst, gibt es wenig Veränderung für darin nistende Insekten.
Und falls du eine Hecken stutzen möchtest, muss das schon bis Ende Februar geschehen, bevor Vögel sich gut versteckte Nistplätze suchen.

A propos Nistplätze:

Bald ist Brutzeit. Wo gibt’s sicheren Unterschlupf für die Familie? Amsel, Specht und Stieglitz brüten schon ab März, fast alle anderen Singvögel ab April. Sichere Nistplätze zu finden, wird immer schwieriger. Wir Menschen können hier gut helfen!

Baumaterial für den Spatz

2. Nistmaterial liegen lassen!

Egal, ob Höhlen-, Boden- oder Freibrüter: Im Frühling werden die Singvögel zu Baumeistern und suchen Baumaterial. Statt Zweigen, vertrockneter Stängel und Flechten findet sich in den Nestern immer mehr Plastik. Was kannst du dagegen tun? Mach es den Wildvögeln leicht, bei euch Halme, Zweiglein und Moos zu finden – natürliches Baumaterial eben! Ein guter Grund, den Garten nicht penibel aufzuräumen.

Und wohin mit dem kuschligen Nest?

3. Nistkästen aufhängen

Die Höhle im Baum oder die Nische im Fels sind Mangelware. Nistkästen sind eine wirksame Artenschutzmaßnahme, um diesem Mangel entgegenzutreten. Deshalb haben wir gezimmert: Nistkästen für Meisen, Feld- und Haussperlinge, Trauerschnäpper und Kleiber findest du in unserem Shop. Im Text dazu gibt es auch Tipps zum Aufhängen deines Nistkastens. Viele Tiere bewohnen Nistkästen auch im Winter – vom Ohrenkäfer über die Haselmaus bis zu Singvögeln, die hier Schutz vor Kälte suchen. 

Deshalb ist es schön, wenn neue Nistkästen schon im Herbst aufgehängt werden. Aber ihr könnt Eure Bäume  auch jetzt noch passend zur Revierschau bestücken. Späte Rückkehrer aus den südlichen Winterquartieren wie der Trauerschnäpper profitieren davon, wenn auch noch im April Kästen aufgehängt werden.

4. Natürliche Verstecke bieten

Freibrüter wie Rotkehlchen, Amsel oder Buchfink suchen für ihr Nest keine Höhle, sondern errichten ihr Nest frei in Baum, Hecke oder Strauch. Nistgelegenheiten schaffst du ihnen mit dichten Wildhecken, begrünten Fassaden oder Totholzhecken, in denen du anfallendes Astmaterial in Lebensraum und Brutstätte verwandelst.

Fotos: Blaumeise inspiziert den Nistkasten (c) Peter Schubert; Diestelfink pickt Löwenzahn; Spatz sucht Baumaterial (c) Rasmus Biovogelfutter




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