Die Stare sind zurück! Sind sie nicht faszinierend, die intelligenten Vögel im purpurmetallisch glänzenden Gefieder? Trotzdem sorgt es oft für Unruhe, wenn plötzlich ein ganzer Schwarm voller Stare den eigenen Garten für sich entdeckt und ruckzuck das Vogelfutter verputzt, was eigentlich für eine bunte Vogelschar gedacht war. Was soll man jetzt tun?
Im Schutz des Schwarms
Ende Februar, Anfang März sind es die Stare, die mit Kranichen und Singdrosseln als erste Rückkehrer aus dem Süden den Frühling verkünden. Schon bald beginnen die vielseitigen Gesänge und Balzrituale des Stars. Im Herbst ist es ein Naturspektakel, wenn sich immer mehr Familientrupps zusammenschließen und schließlich ein riesiger Starenschwarm als dichte Wolke aufsteigt, in der sich Hunderte von Vögeln auf zauberhafte Weise in atemberaubenden Flugmanövern synchronisieren.

Wie konnte man nur jahrzehntelang diese schillernden Singvögel mit Dynamit in die Luft jagen? Heute hat der Star mit ganz anderen Gefahren zu kämpfen. Eigentlich hat der Sturnus vulgaris den Schutz durch Gemeinschaft perfektioniert. Gerade das Schwarmprinzip ist es jedoch, das den Staren immer wieder Feinde beschert.
Mensch und Star – ziemlich beste Feinde?
Wie sieht es aus, das Verhältnis zwischen Mensch und Star? Bis heute fragen sich viele Leute: Sind Stare in meinem Garten gut oder schlecht? Sehe ich sie als nützliche Helfer, die sich an Schnecken und Schnaken laben? Oder sind sie mir zu laut, vertilgen zu viel meiner Obsternte und vertreiben andere Vogelarten? Obstbauern haben eine klare Position: Zum Schutz gegen Stare sind ihre Plantagen komplett eingenetzt. Dabei war das mal ganz anders:
Lange Zeit wurde der Star als effektiver Schädlingsvertilger in der Landwirtschaft geschätzt. Der Star, der täglich bis zu 300 Insekten verzehrt, war verlässlich zur Stelle, wenn es galt, Blattläuse in Schach zu halten, Raupenpopulationen zu reduzieren und Schneckenschäden zu minimieren. Als jedoch chemische Pflanzenschutzmittel diese Aufgaben übernahmen, sahen Winzer und Obstbauern im Star alsbald nur noch einen verhassten Konkurrenten, der sich ihre Früchte und Beeren einverleibt. Bis in die 1980er-Jahre wurden Stare deshalb auch in Deutschland gefangen, vergiftet und ihre Schlafplätze mit Dynamit in die Luft gejagt.
In Südeuropa wird noch immer Jagd auf den Star gemacht. In Deutschland hingegen sind Stare nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Es ist gesetzlich verboten, sie zu jagen oder ihre Nistplätze zu zerstören.
Stare in Gefahr!
Die neuen Gefahren für den Star klingen nicht so spektakulär wie Dynamit, Schreckschuss oder Nervengift: Es mangelt ihm an Brutplätzen und Nahrung. Die Folgen dieses Mangels sind dramatisch. Der Allerweltsvogel wird in der Roten Liste als „gefährdet“ gelistet. Dabei gehört der Sturnus vulgaris doch zu den häufigsten Vögeln der Welt. Wie kann das sein?
Die Anzahl der Staren-Brutpaare in Deutschland wurde für 2016 auf 2,6 bis 3,6 Mio geschätzt. Das klingt vielleicht erstmal viel, aber der Bestandseinbruch ist erschreckend: Als ich ein Kind war, brüteten in Deutschland noch mehr als doppelt so viele Starenpaare
Die Gefährdung der Stare spitzte sich so rasch zu, dass er die Vorwarnstufe der Roten Liste ganz übersprungen hat.
Welche Faktoren bei dieser Misere wie genau zusammenspielen, ist nicht genügend erforscht. Die Hauptursache aber ist klar: Immer mehr artenreiche Wiesen und Weiden gingen zulasten der intensiven Landwirtschaft verloren und damit auch die Masse der für die Stare als Nahrungsquelle unerlässlichen Insekten. Gärten könnten zumindest Trittbrettbiotope darstellen, sind aber oft ebenfalls karg und lebensfeindlich.
Brauchen Stare Vogelfutter? Was fressen Stare?
Stare lieben Beeren und Früchte wie die süße Kirsche. Dazu stehen Insekten und deren Larven auf dem Speisezettel. Mit Regenwurm und Tausendfüßer, Spinnen, Schnecken, Schnaken steht es aber schlecht bestellt, seit immer mehr Gärten versteinert, Grünland umgebrochen und Weidetiere eingestallt werden. Die Weidehaltung der Kühe ist weiter rückläufig, auf immer mehr Flächen fehlt ihr der Dung, der Lebensgrundlage vieler Insekten wäre.
Der Insektenmangel wird für Stare zur großen Gefahr. Besonders wenn das Frühjahr sehr trocken ist und sich die Regenwürmer tief in den Boden zurückziehen, kommen deutlich weniger Jungvögel durch. Eine Chance für den Star ist jedoch, dass er – anders als die bedrohten Feldbrüter Feldlerche und Kiebitz – ans Futterhaus kommt. Gerade während der anstrengenden Aufzucht der Jungen können wir dem bedrohten Star mit energiereichen Vogelfutter sehr gut unter die Flügel greifen.
Als Weichfutterfresser lieben Stare Meisenknödel, Fettflocken, geschälte Sonnenblumenkerne und Sultanien. Wie gut sich Stare in die bestehende Schar am Futterhaus integrieren, ist unterschiedlich. Als sie bei uns im Garten erstmals das Futterhaus entdeckten, sorgten sie anfangs für große Verwunderung bei unseren Spatzen, die plötzlich lernen mussten, ihr Futter zu teilen. Nach einigen Tagen hatten sich die Haussperlinge an die großen, schillernden Stare gewöhnt und alle futterten in Eintracht nebeneinander her.
Hier spielt ein Futterhaus mit großer Grundfläche seine Stärke aus: Mehrere Vögel verschiedener Arten kommen gleichzeitig zu Tisch (im Film: Star, Spatz und Kohlmeise). Generell mögen Wildvögel kein Gedränge. Wenn es voll bei dir wird oder kleine Vögel sich nicht mehr rantrauen, richte lieber eine Futterstelle mehr ein.
Stare plündern das Futterhaus – was tun?
Wenn sehr viele Stare gleichzeitig zu dir in den Garten kommen, wird es eventuell komplizierter, dass kleine und große Singvögel, Einzelgänger und Großfamilien zu ihrem Recht kommen. Manch einer fragt sich: Sollte man Stare aus dem Garten verscheuchen oder zumindest vom Futterhaus, damit scheueren Singvögeln nicht alles weggepickt wird? Schließlich war das Vogelfutter eigentlich für eine bunte Vogelschar gedacht und mehrmals täglich Futter nachzulegen, kann das Vogelfutterbudget sprengen. Aber ausgerechnet Stare zu vertreiben, deren Population so stark rückläufig ist, wird der Vogelliebe auch nicht gerecht.
Auf verschiedene Futtervorlieben setzen
Wie kann ich die Lage an der Futterstelle entzerren, wenn Stare sich wie Platzhirsche aufführen und kleinere Vögel erstmal das Nachsehen haben?
Falls eure Meisenknödel derzeit schneller verschmaust sind, als ihr gucken geschweige denn nachlegen könnt, ist es einen Versuch wert, für eine Weile auf Allrounder wie Meisenknödel oder Fettfuttermischungen, die bei vielen verschiedenen Arten begehrt sind, zu verzichten. Damit sich nicht alle auf das Gleiche stürzen, ist jetzt eine Spezialisierung verschiedener Futterstellen angesagt.
1. Futterstelle für Stare (Weichfutterfresser)
Ein hochwertiges und günstiges Fettfutter als Alternative zum Meisenknödel scheint uns die beste Lösung, um viele Stare satt zu bekommen. Deshalb haben wir Bio-Haferflocken für Wildvögel neu ins Sortiment aufgenommen. Mit Öl versetzt ergeben sie ein ideales Weichfutter. Die Futterkonkurrenz zwischen Staren und anderen Weichfutterfressern wie Amseln und Rotkehlchen wird allerdings bleiben, denn ihnen sind die weichen Schnäbel und die Ansprüche an weiches Futter gemein.
2. Futterstellen für Körnerfresser
Körnerfresser wie Sperlinge, Finken, Gimpel und Zeisige können sich ungestört sattfuttern, wenn ihr ihnen eine Futterstelle mit ganzen Sonnenblumenkernen bereitet. Für Stare sind schwarze Sonnenblumenkerne unattraktiv, denn sie können diese mit ihren feinen Schnäbeln nicht knacken. Gleiches gilt für Distelsamen, Hanfsamen oder harte Nüsse.
Stare sind auch nicht so geschickt mit ihren Krallen wie Meisen, die sich überall dranhängen können. Solch ein Erdnusshäuschen zum Beispiel wird von Meisen liebend gern belagert, Stare werden es meiden.
Berichtet uns gerne, ob diese Tricks bei euch funktionieren. Im Übrigen könnt ihr euch sicher sein: Nach der energieintensiven Brutzeit ist der Andrang der Stare vorbei.
Starenpracht bewundern
Und bis dahin laden wir euch ein, in die faszinierende Welt der Stare tiefer einzutauchen! Von Weitem sehen Stare vielleicht aus wie schwarze Vögel. Schnappt euch mal ein Fernglas oder eine Kamera mit Zoom und bewundert das gesprenkelte, metallisch schillernde Prachtkleid des Stares, ein echter Hingucker!

Und zuletzt: Wie schütze ich meinen Kirschbaum vor Staren?
Bei aller Liebe zu den Staren: Wir verstehen die Enttäuschung, wenn sich ein Starenschwarm die ganze Kirschenernte einverleibt und es nichts wird aus leckeren Kirschtorten und Marmeladen, die das Frühstück versüßen sollten.
Eine weitverbreitete Methode, um die Stare an der Ernte zu hindern, sind Plastiknetze, die um die Bäume gespannt werden. In den Maschen der Netze können sich die Vögel jedoch verfangen und schwer verletzen, wenn sie sich wieder zu befreien versuchen. Auch erscheint uns der Anblick eines Plastiknetzes in einem schönen Garten recht fragwürdig.
Wir haben da einen anderen Vorschlag, völlig plastikfrei und ohne Gefahren für die Vögel: Hängt einfach einen Starenkasten in euren Kirschbaum hinein. Achtet auf die Ausrichtung nach Süd-Ost und möglichst freien Anflug, damit der Kasten auch bezogen wird. Das im Kirschbaum lebende Starenpaar gibt dann alles, um „seinen“ Baum zu verteidigen und die Starenschwärme zu vertreiben. Natürlich kostet diese Art der Abwehr auch einige Kirschen – aber welcher Hobbygärtner pflückt schon die Kirschen aus den obersten Bereichen der Baumkrone?

Vielen Dank für diese ausführliche Information! Wir finden sie ausgesprochen hilfreich – und werden weiter „unsere“ Stare füttern!
Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel über die Stare. Das hat mir sehr geholfen, die Situation mit den Staren im Garten besser einzuschätzen. Auch wir haben einen naturnahen großen Garten mit altem Baumbestand und abwechslungsreicher, zunehmend ökologischer Bepflanzung. Ich habe drei Futterstellen und vier Trinkgefässe. Seit ca. 2 Jahren kommen auch Stare in unseren Garten. Erstmals im Winter 2024, belagerten rd. 20 Stare die Futterstellen und frassen an einem Tag insbesondere die Fettblöcke und Meisenknödel auf. Ich kam mit dem Nachfüllen nicht mehr nach und es ging auch richtig ins Geld. Die anderen Vögel fühlten sich von dem Schwarm offensichtlich verängstigt und trauten sich kaum noch ran. Ich füllte dann einige Tage die Fettnahrung nicht mehr nach, dann waren sie weg. Ich dachte, Stare seien Zugvögel und wunderte mich über den großen Schwarm. Derzeit sind wieder Stare in unserem Garten, ein kleiner Schwarm von ca. 5 Vögel. Ich lasse sie, wie alle anderen Vögel fressen und freue mich über ihren Gesang. Grundsätzlich sind für mich alle Wildvögel gleich wertvoll, alle werden gefüttert, am Boden, im Futterhaus, am Futterspender, durch Fettblöcke und Meisenknödel. Die Stare sind dazu gekommen, Grün-und Buntfinken, Gimpel sind verschwunden, Amseln und Rotkehlchen sind deutlich dezimiert. Leider sind Amseln und Stare wohl Nahrungskonkurrenten, das macht mir am meisten Sorgen. Aber ich füttere einfach weiter und freue mich, wenn es regnet und die Würmer hoch kommen. Die natürliche Nahrung ist immer noch die Beste, vor allem für die Aufzucht der Vogelkinder.
Hallo Doro, danke für deinen ausführlichen und anschaulichen Kommentar. An unserem Futterhaus läßt sich auch in diesem Frühling das Auftauchen der Stare wunderbar verfolgen. Wenn sie kommen, benehmen sie sich ja ganz gerne wie Halbstarke und verschrecken die gewohnten Futtergäste ersteinmal. Das hält aber nur ganz kurz an. Der Buntspecht läßt sich überhaupt nicht mehr aus der Ruhe bringen, er nimmt weiter Futter auf und ist eher damit beschäftigt, eifrig die gesamte Umgebung zu erfassen, ob wohl von irgendwo her Unheil drohen könnte. Das Amselküken, das viele Minuten am Stück im Futterhaus verbringt, weil es den Anschluß an die Altvögel verpasst hat und dann eben wartet, hat inzwischen auch gelernt, dass die kurzen Besuch der Stare keine Gefahr bedeuten und sitzt die Sache einfach aus. Herr und Frau Dompfaff sind viel zu souverän, um sich erschrecken zu lassen. Die schälen in aller Ruhe ihre Sonnenblumenkerne. Kohl- und Blaumeise lassen sich sowieso nicht stören. Ich erfreue mich stets an der Show, die die Stare bieten, wenn sie angerauscht kommen: Schon viele Meter vor dem Futterhaus werden die Flügel auf Bremsmodus gestellt, dann wird unter wildem Geflatter eine halbwegs gelungene Landung im Haus angestrebt. Elegant ist was anderes! Auch beeindruckend bei den Staren finde ich die Bandbreite des körperlichen Ausdrucks, von geduckt-gespannt-kauernd bis zu unglaublich langestreckt-langhälsig-von-oben-herab schauend haben diese Vögel alles drauf. Tolle Tiere.