Kohlmeise fliegt Sonnenblume an und pickt sich reife Kerne

Erntezeit für die Vögel: Jetzt an den vogelfreundlichen Garten denken

Die Sonnenblumenkerne sind reif! Vor meinem Fenster fliegen die Meisen zwischen Sonnenblumen und Nachtkerzen hin und her. Freut Ihr Euch auch gerade über das Wippen und Picken in Stauden und Sträuchern? Wenn Ihr Euch mehr davon wünscht, ist jetzt die richtige Zeit für den vogelfreundlichen Garten. Hier kommen unsere Tipps!

Warum naturnah gärten?

Etliche Lebensräume sind unwirtlich geworden für Feld- und Waldvögel. Viele Singvögel ziehen sich in die Städte zurück, wenn sie keine artenreichen Landschaften mehr finden. Ist es nicht traurig, wenn zum Beispiel in Berlin Stare zwischen den Taxen vor dem Hauptbahnhof picken oder Schwalben in Tunneln brüten, die Tag und Nacht grell beleuchtet sind? Was für ein Stress!

Gärten können keine Naturschutzgebiete ersetzen und auch keine Felder, die im Einklang mit Flora und Fauna bestellt werden. Aber Gärten können wichtige Vogeloasen sein, schützende Rückzugsorte. Ideal ist es, wenn Vögel nicht nur im Futterhaus ernten können, sondern rund um das Futterhaus eine naturnahe Umgebung vorfinden. Wenn in der Nachbarschaft ein paar Leute mitziehen und ebenfalls mehr bunte Vielfalt einziehen lassen, bilden Eure kleinen naturnahen Gärten mit Glück eine wichtige Brücke zwischen größeren Biotopen.

Mehr bunte Vielfalt – so geht’s!

Wilde Malve mit Nachtkerze

Was können wir also tun, damit Vögel im Garten mehr Samen, Früchte und Insekten finden? Wie zeigen Euch, wie Ihr das Vogelbuffet auffüllt und den Lebensraum Garten stärkt.

  1. Bunt im Sommer, nahrhaft im Winter – Stauden und Sommerblumen
  2. Von wilden Ecken, heimischen Hecken und Gehölzen
  3. Gutes Trio: Nistkasten, Futterhaus und Vogeltränke

1. Bunt im Sommer, nahrhaft im Winter – Stauden und Sommerblumen

Wollt Ihr mehr Vögel bei der Samenernte beobachten? Nehmt mal Eure Blütenpracht unter die Lupe. Heilpflanzen wie Moschusmalve, Schafgarbe und Wegwarte, Stauden wie Sonnenhut und Wilde Karde, Sommerblumen von Ringel- bis Sonnenblume blühen herrlich und decken üppig den Tisch für die Vogelwelt. Mit einer Mischung aus ein-, zwei- und mehrjährigen Pflanzen geht die Samenbar nie aus. Übrigens: Auch wenn Stieglitz, Zeisig, Meise und Co. noch so eifrig picken, bleiben gewiss noch genügend Samen übrig, aus denen im nächsten Jahr wieder eine blühende Sommerpracht entsteht.

Unsere Lieblingsvogelgartenblume ist dieses Jahr die Nachtkerze, deren Samen im Winter besonders nahrhaft für Vögel sind. Von diesen wundersamen Blumen, deren Blüten die Dunkelheit brauchen, um aufzugehen, tauchten in diesem Jahr plötzlich ganz viele in unserem Garten auf. Wo sie wohl hergekommen sind? Wir finden es zauberhaft, wenn man die Natur machen lässt und dann irgendwann voll Staunen sieht, was dabei entsteht. Wart Ihr schon mal dabei, wenn es abends dämmert und die Blüten der Nachtkerze erwachen? Sehr poetisch.

Als die Nachtkerzen verblühten, waren wir kurz unschlüssig, ob wir die großen Gewächse herausrupfen und Platz für neu Sprießendes schaffen. Das haben wir zum Glück nicht getan! Inzwischen blüht von unten eine zweite Generation und oben drüber bieten die Samenkapseln ihre reiche Ernte dar.

Beliebtes Vogelfutter: die Samen der Nachtkerze

Wir hatten nicht gewusst, dass Nachtkerzensamen so begehrtes Vogelfutter sind. Aufgrund der essenziellen Fettsäuren in den Samen wurde die Nachtkerze übrigens gerade zur Heilpflanze des Jahres 2026 gekürt. Für den Vertrieb reichen die Samen nicht, aber für unsere Vogelschar hoffentlich noch eine ganze Weile.

Damit die Vögel ernten können: im Herbst einfach mal die Beine hochlegen!

Vielleicht seid Ihr auch so aufgewachsen, dass es im Herbst ganz viel zu tun gab, bis der Garten für die Winterzeit aufgeräumt war. Alles Verblühte, ob Sommerblumen oder Stauden, wurde ordentlich abgeschnitten, das Laub fast noch im Fallen aufgefangen und weggefahren. So ein aufgeräumter Garten kann im Winter keine Vögel versorgen, auch Igel und Käfer finden kein Winterquartier. Und der Wurzelbereich der Pflanzen ist dem Frost ungeschützt ausgeliefert, wenn ihnen alte Stängel und Blätter genommen werden.

Spart Euch viel Arbeit und freut Euch auf den Vögelbesuch, wenn Ihr Samenstände stehen und Laub im Beet oder in wilden Ecken liegen lasst.

2. Von wilden Ecken, heimischen Hecken und Gehölzen

Nicht jede möchte auf den großen gepflegten Fußballrasen verzichten, aber sucht Euch doch schon mal eine wilde Ecke aus, in der die Natur Vorrang hat, und beobachtet, was da so passiert. Es macht viel Freude, mit einfachen Mitteln mehr Leben einziehen zu lassen.

Zum Beispiel: Lebensraum Efeu

Wusstet Ihr, wie wertvoll diese unkomplizierte Kletterpflanze ist? Egal, ob Ihr mit Efeu eine Pergola, einen Zaun, eine Mauer beranken wollt oder ihn einfach in einer wilden schattigen Ecke wuchern lasst. Es wird Insekten, Spinnen, Kleintiere und Vögel freuen! Efeu braucht nur wenig Licht, Ihr könnt ihn jetzt im Herbst pflanzen und schafft damit eine wertvolle Nahrungsquelle und attraktiven Lebensraum zugleich.

Amselweibchen im Efeugeflecht mit reifen Beeren. (c) Vera Henssler

Amseln beispielsweise nisten gern im dichten Efeugeflecht, in dem sie sich vor Fressfeinden gut verstecken können. Im immergrünen Blattwerk leben Schwebfliegen, Marienkäfer, Ameisen und viele andere Insekten, manche verbringen hier ihren Winterschlaf.

Der Efeu entwickelt zudem im Herbst und Winter seine Qualitäten als Nahrungsquelle – gerade dann also, wenn viele anderen versiegen. Jetzt blüht er gerade (von September bis November) und gehört damit zu den letzten Nahrungsquellen des Jahres für bestäubende Insekten. Habt Ihr Efeu im Garten, der nicht blüht? Dann heißt es noch ein bisschen Geduld haben, Efeu muss fast zehn Jahre alt werden, bevor er Blüten bildet und dann zwischen Januar und April, wenn viele andere Vorräte erschöpft sind, seine blauschwarzen Beeren entwickelt. Ein Segen etwa für Amseln, Rotkehlchen und Stare, die sich hier einen Energieschub holen. Wenn die ersten Vögel aus dem Winterquartier zurückkehren, finden sie immer noch Efeubeeren!

Beeren und Früchte: Bald ist Pflanzzeit!

Für die Beerenernte brauchen Vögel dringend heimische Gehölze und Sträucher. Holunderbeeren etwa stärken Zugvögel, bevor sich sich auf den Weg gen Süden machen. Das Pfaffenhütchen erinnert ans Birett katholischer Bischöfe. Der Spitzname „Rotkehlchenbrot“ verrät aber gleich, wer sich im Winter besondern gern die orangen Samen aus dem Birett herauspickt.

Die purpurroten Kapselfrüchte des Pfaffenhütchens

Keine Früchte, keine Insekten: Nichts zu picken haben die Vögel hingegen in einer Hecke aus Kirschlorbeer, Thuja, Forsythie und Co. – solche Exoten sind in Privatgärten beliebt, werden aber von Insekten verschmäht. Oder habt Ihr im Kirschlorbeer schon einmal ein angeknabbertes Blatt entdeckt?

Im Unterschied zu einer monotonen, immergrünen Hecke aus exotischen Gehölzen wimmelt es in der Wildhecke von Leben. Unsere dreireihige Hecke aus Schlehdorn und Wildrosen ist für unsere Vögel Lebens- und Brutraum, Versteck, Frucht- und Insektenbar. Wildbienen umschwirren die Blüten, Käfer, Ameisen und Tausendfüßer kriechen durchs dornige Geäst, aber auch Hasen, Wiesel und Igel finden einen Unterschlupf. Ab Oktober ist Pflanzzeit. Habt Ihr Platz, Euer Grundstück wild einzufassen? Je länger die Hecke, desto besser, aber auch jeder einzelne heimische Strauch hilft. Zur Orientierung bietet der NABU eine Übersicht heimischer Gehölze.

Hagebutte der Hundsrose
Hagebutten der Hundsrose

3. Gutes Trio: Nistkasten, Futterhaus und Vogeltränke

Futterpflanzen, die Insektenmagnet sind, Samen oder Beeren ausbilden, dazu noch natürliche Nistplätze und Verstecke bieten: Im naturnahen Garten ist viel möglich. Trotzdem kann so ein Garten leider nicht genug für Vögel bieten, um die riesigen, verloren gegangenen artenreichen Flächen zu ersetzen, die es einst gab. Deshalb gehört zum vogelfreundlichen Garten eine sinnvolle Kombination aus mehr Natur und genügend Hilfsmitteln:

  • Richte eine oder am besten mehrere Futterstellen ein, beachte dabei den richtigen Standort für das Vogelfutterhaus
  • Wenn du Nistkästen hast, ist jetzt höchste Zeit, sie zu reinigen, bevor Wintergäste einziehen. Hast du noch einen Platz frei für die sichere Brut im Holzkasten? Wir bauen für euch Meisennistkästen.
  • Vögel brauchen Wasser! Eine Vogeltränke zum Trinken, Duschen oder Baden ist auch im Winter wichtig. Du kannst sie ganz leicht selbst machen.

Sonnenblumen mit reifen Kernen, teils schon herausgepickt

Während wir Tipps für Euren vogelfreundlichen Garten gesammelt haben, wurde bei uns in den Sonnenblumen schon ganz schön viel weggepickt! Danach gibt es dann wieder Sonnenblumenkerne vom Feld. Wir vom Rasmus beziehen sie von einer engagierten Biolandwirtin, die sich für den Artenschutz echt ins Zeug legt.

Fotos: alle außer einer Berliner Amsel im Efeu aus unserem Garten, (c) Rasmus Biovogelfutter



Füge einen Kommentar hinzu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert